Aufklärungskritik als metaphysische Denunziation.
Über den Begriff der Aufklärung bei Horkheimer und Adorno

Eckhart Arnold

1 Einleitung
2 Eine Klarstellung: Aufklärung ist nicht totalitär
3 Die Begründungsdefizite der „Dialektik der Aufklärung“
    3.1 Naturwissenschaftliches Denken als „disponierendes Denken“
    3.2 Der Zusammenhang von Aufklärung und Mythologie
    3.3 Das verarmte Weltbild der positivistischen Philosophie
    3.4 Die Fragwürdigkeit der Beispiele von Horkheimer und Adorno
4 Ergebnis
Literaturverzeichnis

3 Die Begründungsdefizite der „Dialektik der Aufklärung“

Jüngere Besprechungen der „Dialektik der Aufklärung“ kommen kaum ohne erhebliche Vorbehalte gegenüber den radikalen Thesen des Werkes aus (Habermas 1985, S. 130-157) (Schnaedelbach 1989). Nur selten werden die Schwächen der Argumentationsstrategie von Adorno und Horkheimer jedoch im Detail untersucht. Im folgenden soll etwas ausführlicher als üblich auf die Begründung eingangen werden, die Horkheimer und Adorno für ihre Thesen liefern. Dazu werden einige der wesentlichen „Argumente“ und Beispiele von Adorno und Horkheimer herausgegriffen und näher untersucht, um zu zeigen, wie wenig diese „Argumente“ und Beispiele in Wirklichkeit dazu taugen, irgend etwas zu begründen.

Die Grundidee des Werkes ist, dass die Aufklärung ihrer Intention nach Befreiung ist, dass sie in Wirklichkeit aber nur zur Ausweitung von Herrschaft führt. Herrschaft ist dabei in einem mehrfachen Sinn zu verstehen als Herrschaft des Menschen über die äußere Natur, als Herrschaft des Menschen über seine eigene innere Natur (d.h. als Triebbeherrschung im Freudschen Sinne), und als Herrschaft im politischen Sinne, also als Herrschaft des Menschen über den Menschen. In jedem Falle ist Herrschaft dabei etwas Schlechtes. Das gilt sogar für die Herrschaft über die Natur, denn nach Adorno und Horkheimer sollte die Aufklärung zwar dem Menschen die Furcht vor der Natur nehmen (Adorno/Horkheimer 1947, S. 9), aber dass sie dabei zur Herrschaft über die Natur gerät, gehört schon zur „Dialektik“ der Aufklärung, d.h. zu jenen unerwünschten Nebenfolgen und inneren Widersprüchen der Aufklärung, die, wie Adorno und Horkheimer glauben, schließlich ihre Selbstzerstörung herbeiführt.

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