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Zitatmontage II

Beispiel: „»Zur Tugend wird Apathie (als Stärke betrachtet) notwendig vorausgesetzt«, sagt Kant, indem er, Sade nicht unähnlich, diese »moralische Apathie« von der Fühllosigkeit im Sinn der Indifferenz gegen sinnliche Reize unterscheidet. Enthusiasmus ist schlecht. Ruhe und Entschlußkraft bilden die Stärke der Tugend. »Das ist der Zustand der Gesundheit im moralischen Leben; dagegen der Affekt, selbst wenn er durch die Vorstellung des Guten aufgeregt wird, eine augenblickliche glänzende Erscheinung ist, welche Mattigkeit hinterläßt.« Juliettes Freundin Clairwil stellt ganz dasselbe vom Laster fest. »Meine Seele ist hart, und ich bin weit davon entfernt, Empfindsamkeit der glücklichen Apathie, der ich mich erfreue, vorzuziehen. Oh Juliette ... du täuschst dich vielleicht über die gefährliche Empfindsamkeit, auf die sich so viele Toren etwas zugute tun.«“ (S. 103)

Kritik: Zwei völlig unterschiedliche Dinge: Bei Kant bezieht sich die Apathie auf die Tugend, bei de Sade auf das Laster. Deswegen eine tiefere Identität der Standpunkte suggerieren zu wollen, ist so als wollte man behaupten, dass Regen und Sonnenschein dasselbe wären, weil beides eine Art von Wetter ist.