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Zitatmontage I

Beispiel: „Sie [Juliette aus de Sades gleichnamigen Roman] liebt System und Konsequenz. Sie handhabt das Organ des rationalen Denkens ausgezeichnet. Was die Selbstbeherrschung angeht, verhalten sich ihre Anweisungen zu denen Kants zuweilen wie die spezielle Anwendung zum Grundsatz. »Die Tugend also«, heißt es bei diesem, »sofern sie auf innere Freiheit begründet ist, enthält für die Menschen auch ein bejahendes Gebot, nämlich alle seine Vermögen und Neigungen unter seine (der Vernunft) Gewalt zu bringen, mithin der Herrschaft über sich selbst, welche(s) über das Verbot, nämlich von seinen Gefühlen und Neigungen sich nicht beherrschen zu lassen, (der Pflicht der Apathie) hinzukommt: weil, ohne daß die Vernunft die Zügel der Regierung in die Hände nimmt, jene über den Menschen den Meister spielen.« Juliette doziert über die Selbstzucht des Verbrechers: »Erwägen Sie zuerst Ihren Plan einige Tage im voraus, überlegen Sie alle seine Folgen, prüfen Sie mit Aufmerksamkeit, was Ihnen dienen kann... was Sie möglicherweise verraten könnte, und wägen Sie diese Dinge mit derselben Kaltblütigkeit ab, wie wenn Sie sicher wären, entdeckt zu werden.«“ (S. 102)

Kritik: Die Übereinstimmung, auf die hier abgehoben wird (Forderung der Selbstbeherrschung), ist völlig unwesentlich und taugt daher nicht, um den suggerierten tieferen Zusammenhang zwischen der aufklärerischen Philosophie Kants und der Pornographie de Sades auch zu belegen.